13.12.2016

Bild: Othman Abu Shelbayeh
Othman

„Deine europäische Staatsbürgerschaft ist hier eher erwünscht als meine Jordanische“

Statement der Jusos Münster zum Doppelpass
Dass Jugend und Fortschritt nicht immer Hand in Hand gehen müssen, hat sich – wo auch sonst – auf dem CDU-Bundesparteitag in der vergangenen Woche gezeigt. Auf Bestreben der Jungen Union stimmte eine knappe Mehrheit der Delegierten für eine Rückkehr zur Optionspflicht bei der Staatsbürgerschaft für in Deutschland geborene und aufgewachsene Kinder von Nicht-EU-Bürgern. Seit Ende 2014 dürfen diese neben der deutschen Staatsbürgerschaft auch dauerhaft die ihrer Eltern behalten. Zuvor mussten sich Kinder ausländischer Eltern bis spätestens 23 für eine Staatsbürgerschaft entscheiden. Dahin will die CDU nun zurück, natürlich ohne Rücksicht auf die Menschen, die von der neuen Regelung profitieren und für die der Doppelpass eine enorme Erleichterung darstellt.

Ein Beispiel dafür ist Othman. Othman ist 23 Jahre alt und studiert Geowissenschaft an der Uni Münster. Er ist Mitglied in der SPD und bei den Jusos aktiv. Othman besitzt einerseits die deutsche Staatsbürgerschaft, andererseits die Jordanische seiner Eltern. Für ihn ist die doppelten Staatsbürgerschaft die Möglichkeit seiner Heimat in Münster und seinen Wurzeln in Jordanien Rechnung zu tragen. „Ich muss mich nicht zwangsweise zwischen Deutschland und Jordanien entscheiden, denn beides ist Teil meiner Identität und das sollte sich auch in meiner Staatsbürgerschaft abbilden“, findet Othman. In dem Antrag, wird argumentiert, dass die doppelte Staatsbürgerschaft zu Loyalitätskonflikten etwa in Fragen der Verfassungstreue bei den Inhabern*Innhaberinnen des Doppelpasses führen kann. Othman bestreitet das: „Ich bin Mitglied einer demokratischen Partei und möchte mich in Münster einbringen. Ich bin ein aktiver Teil der Gesellschaft, wie es die Union fordert. Ich glaube nicht, dass der Doppelpass zu Loyalitätskonflikten führt, er ist vielmehr ein Beitrag zum Gelingen von Integration.“

Gedanken darüber, wie es in Zukunft mit seinen Staatsbürgerschaften aussieht, müsste sich Othman übrigens gar nicht machen, wenn seine Eltern aus einem EU-Land oder der Schweiz kämen, denn für die Kinder dieser Eltern ist es kein Problem die zweite Staatsbürgerschaft zu behalten, auch bei Optionspflicht. Ein Konzept, dass Othman ablehnt: „Für mich ist das nicht nachvollziehbar und in meinen Augen auch ein Integrationshindernis, weil es heißt: Deine europäische Staatsbürgerschaft ist hier eher erwünscht als meine Jordanische.“
Welches Fazit lässt sich ziehen? Positiv ist, dass sowohl die SPD als auch die Kanzlerin deutlich gemacht haben, dass sie von dem CDU-Parteitagsbeschluss nichts halten. Trotzdem begibt sich die CDU mit ihrer Entscheidung auf gefährliches Terrain, da sie sich im Wettstreit mit den Populist*innen versucht, einen Wettstreit, den sie nicht gewinnen kann. Für Othman ist klar: „Wenn die CDU die Wiedereinführung der Optionspflicht zum Wahlkampfthema machen sollte, werden wir dafür werben, dass der Doppelpass in seiner jetzigen Form erhalten bleibt. Denn so sieht Integration, so sieht die moderne Gesellschaft aus.“




zurück
Berichten Sie darüber:
  • bei twitter
  • bei facebook
  • bei delicious
  • bei digg
  • bei google
  • bei webnews
  • bei Mister Wong
  • versenden
Ihr Name

Ihre Mailadresse:
Name des Empfängers
Empfänger-Adresse
Nachricht für den Empfänger
Sicherheitsfrage:Bitte tragen Sie das Ergebnis der folgenden einfachen Rechnung ein: 31 + 4 =